Ein neues Visum aus Mexiko

Eigentlich wollten wir mit dem Wohnmobil auch durch Mexiko fahren, jedoch wurden wir von zahlreichen Leuten, unter anderem Polizisten darauf hingewiesen, dass dies derzeit keine gute Idee ist. Sie selber würden sich nicht trauen in dieses Land zu fahren. Es ist sehr gefährlich. Wegen den Drogenkartelle und der starken Korruption. Man könne noch nicht einmal mehr der landeseigenen Polizei vertrauen warnt man uns. Wir verzichten also auf eine Wohnmobil Tour durch Mexiko. Durch diese Planänderung ergibt sich allerdings das Problem, dass unser Visum für die USA auslaufen wird. Also müssen wir von El Paso aus zu Fuß einen Abstecher nach Mexiko in die angrenzende Stadt Juarez machen. Laut den Grenzbeamten in Miami sollte dieser Ausflug reichen, um unser Visum zu erneuern bzw. bereits vor Ablauf zu verlängern.

über den Rio Grande in die Dritte Welt

Weil wir wegen dieser Planung doch etwas nervös sind, beschließen wir sofort am Tag unserer Ankunft in El Paso mit unseren Freunden nach Juarez zu wandern. Es ist ein Samstag Mittag, als wir über die Brücke nach Juarez wandern. Für die Benutzung der Brücke müssen wir 50$ Cent zahlen. Auf der mexikanischen Seite der Brücke bietet sich uns ein ganz anderes Bild im Vergleich zu El Paso. Es ist in etwa so viel los, wie wenn Aldi ein super Angebot parat hat. Alles ist voll mit Menschen und auf der Brücke tummeln sich bemitleidenswert heruntergekommene Bettler und Händler die versuchen ein paar Pesos zu verdienen. Die Gebäude auf dieser Seite des Rio Grandes sind heruntergekommen. Viele Schaufenster sind verbarrikadiert oder eingeschlagen. Geschäfte haben nur wenige geöffnet. Die meisten sind geschlossen. Spezialeinheiten der Polizei (oder des Militärs) patrouillieren an der Ecke und eine lange Autoschlange füllt die Straße zur Grenze nach Amerika. Der Lärm und die Abgase der Autoschlange übertönen sämtliche andere Gerüche und wir versuchen unsere Nasen vor dem warmen Slum-Gestank zu verschließen. Wir sind froh, dass wir hier nur für einen Tag rüber gewandert sind. Zumindest dieser Teil von Mexiko ist definitiv Dritte Welt.

Echtes mexikanisches Essen

Wir spazierten die Straße weiter und kommen an einen großen Platz. Trotz des Elendes, das uns an der Grenze geboten wurde und hier immer noch in Stadtbild vorhanden ist, spielte sich hier plötzlich auf den Straßen ein angenehmes idyllisches Leben ab. Straßenkünstler unterhalten die Menschen mit Showeinlagen. Musikanten speilen Musik. Die Gasse, die sich von diesem großen Platz abzweigt wirkt belebt, vertraut und sicher. Geschäfte sind hier geöffnet und besucht. wir kehren in ein mexikanisches Restaurant ein um zumindest ein bisschen was typische mexikanische Küche kosten zu können. Das Restaurant ist bis auf den letzten Platz belegt. Wir müssen eine ganze Zeit warten, bis einer der begehrten Tische frei wird. Und mittlerweile ist die Schlange hinter uns noch länger geworden. Die Menschen hier sind freundlich und ausgelassen und kommen direkt mit uns in Kontakt. Irgendwie beginnen wir Mexico zu mögen und es tut uns richtig leid wie heruntergekommen alles hier wirkt. Das Essen ist lecker, reichlich und günstig. Die mexikanische Küche hat uns durchaus überzeugt. Viele Amerikaner kommen Mittags nur zum Essen hierher. Die Schärfe mancher Gerichte merkt man allerdings erst etwas später, so dass wir manches Mal einen guten Schluck Trinken zum löschen nehmen mussten.Und einmal habe ich versehentlich unserem Sohn etwas Essen gegeben, dass sich hinterher als doch scharf herausstellte. Fand er nicht so lecker…

Jetzt wird´s ernst

Bei der angenehmen Atmosphäre vergessen wir für einen ganzen Moment unsere Angst davor was passiert, wenn wir unser Visum nicht verlängert bekommen. Doch nun wird es Zeit endlich unser Visum zu erneuern und wir machen uns auf dem Weg zurück nach Amerika. Die Schlange über die Grenze beginnt bereits auf der Brücke. Wir stehen Ewigkeiten an bis wir überhaupt das Grenz Gebäude erreichen. Im Gebäude sollten wir noch mal viel länger warten müssen… Was haben wir auch anderes erwartet? Im Gebäude gabelt sich die Schlange auf. Wir reihen uns, auf Geheiß eines Grenzbeamten, in die Schlange für nicht Amerikaner ein. Das Warten hat ein Ende. Wir sind dran. Der Grenzbeamte kontrolliert unsere Reisepässe und stellt ein paar Fragen, weswegen wir in Mexiko waren – mexikanisches Essen – und was wir nun in Amerika wollen – amerikanisches Essen. Man lässt uns uns die Grenze passieren. Erst freuen wir uns erleichtert. Doch dann begreifen wir, dass man unser Visum nicht verlängert hat. Wir werden auf Nachfrage zur Visum Stelle geschickt. Hätten wir das mal gleich gewusst Mist. Einige Zeit umsonst angestanden. An der Visum Stelle jedoch geraten wir an eine echt blöde Sachbearbeiterin, die die Ausstellung eines Visums vehement verweigert. Letztendlich haben wir ca 4 Stunden in Warteschlangen verbracht und müssen die Grenze ohne neues Visum überqueren. Das Hauptargument der Sachbearbeiterin war, dass unser aktuelles Visum noch nicht abgelaufen ist. Man hat uns jedoch tunlichst geraten uns nicht im Land aufzuhalten, wenn das Visum abgelaufen ist. Wir beschließen ein paar Tage später die Grenze an einer anderen Brücke in El Paso noch einmal zu überqueren und unser Glück an einem anderen Grenzübergang zu probieren.

Neuer Tag, neues Glück!

Unser Visum ist indes abgelaufen. Wir machen uns auf dem Weg zur anderen Brücke in der Hoffnung dort auf angenehme Grenzbeamte zu treffen. An dieser Brücke geht es wesentlich entspannter zu. Keine Bettler, keine Menschen Scharen, keine langen Schlangen. Alles ganz entspannt. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir nun an einem Donnerstag Abend unterwegs sind. Wir überqueren die Grenze nach Mexiko, drehen eine kleine Runde und kehren zurück. Diesmal reihen wir uns nicht in die Schlange für nicht Amerikaner ein, sondern gehen sofort zur Visum Stelle. Wir müssen lediglich eine kurze Zeit warten. Wir sind schon sehr nervös während wir warten und versuchten die Beamten an den Schaltern einzuschätzen. Die sehen eigentlich alle ganz entspannt aus. Gute Aussichten für uns. Wir treffen auf einen überaus freundlichen Grenzbeamten, der zudem noch zehn Jahre lang in Deutschland gelebt hat. Er kann gar nicht aufhören von deutschem Bier zu schwärmen. Vermutlich hat es dann auch daran gelegen, dass wir absolut problemlos ein neues Visum ausgestellt bekamen und ohne Wenn und Aber das Land erneut für 6 Monate bereisen können. Mit dem neuen Visum können wir uns nun ganz entspannt in die Reihe für nicht Amerikaner einreihen und die Grenze passieren. Lediglich unseren amerikanischen Äpfeln, die wir vor einer stunde nach Mexiko eingeführt haben, wird die Rückreise verweigert. Gesundes Essen mögen die in den USA anscheinend absolut nicht. Dank des neuen Visums können wir nun die restlichen vier Monate unsere Elternzeit noch durch die USA reisen.
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